Montag, 18. Januar 2010

Micos y monos. Parte Uno

Affen und Blonde (im übertragenen Sinne, eigentlich bedeutet "mono" ebenfalls Affe). Teil Eins

Frohes Neues! Nach einer Blogpause bedingt durch Faulheit, Ferien und Feiern kommt nun endlich der Reisebericht zum Amazonas - zwar heute nur der erste Teil, aber der hat es mit fünf Videos und 28 Bildern auch schon in sich!

Tag 1 - Dienstag, 1. Dezember

Bereits am Vortag kamen Flo und Olli aus Popayán, um hier zu übernachten, damit wir am Dienstag um 7.30 Uhr morgens losfliegen konnten. Wir kauften in der "Calle de los zapatos" ("Schuhstraße") gemeinsam mit meinem Gastvater Javier für 21.000 Pesos, etwa 7 Euro, Gummistiefel, die im Regenwald unverzichtbar sind, wie man in den Berichten über den Río San Cipriano - hier und hier - sehen konnte.
Mit AIRES, einer kolumbianischen Billigfluggesellschaft, machten wir zunächst einen Zwischenstopp in Bogotá, wo wir uns ein letztes Mal an der Stadt sattsehen konnten und die Zivilisation genossen. (Achtung, Ironie!)


Dann ging es endlich nach Leticia in den Dschungel.


Der Regenwald ist nass, groß und grün. Besonders am Grün könnt ihr euch in diesem und im nächsten Blogeintrag so richtig satt sehen! Und da nur Wald wohl langweilig wäre, fließt in Leticia glücklicherweise auch noch der Amazonas vorbei - als braune Brühe voller Sedimente. Trotzdem ist er voller Leben - neben essbaren Fischen leben dort auch noch Delfine, Piranhas, Zitteraale, Kaimane und Anakondas.
In Leticia herrscht solch eine schwüle Hitze, dass sich eine Reisegruppe aus Finnland wahrscheinlich in Erinnerung an die heimische Sauna sofort ihrer Kleidung entledigen würde. Glücklicherweise sind wir ja Deutsche und so nutzte ich für alle fünf Tage ein Schweißtuch, um nicht so auszusehen, als ob ich in den Amazonas gefallen sei. Kurz nach der Ankunft zwängten wir uns dann immer zu viert in ein Taxi - die sind hier aber keine dicken Mercedes, sondern kleine Reisschüsseln - ergo Kia, Nissan o.ä.
Grundsätzlich kein Problem, ich war auch schon mal mit fünf weiteren Fahrgästen in einem Taxi - aber hatte ich schon erwähnt, dass ausgerechnet unser Taxi in Leticia keine Klimaanlage hatte? Könnte der Fahrtwind vielleichthelfen? Nicht viel bei 30 km/h - mehr ging wegen der Schlaglöcher nicht. Mittlerweile sollte die Notwendigkeit des Schweißtuches auch euch Frostbeulen in Deutschland klargeworden sein. Erst als wir in ein Schnellboot auf den Amazonas umstiegen, kam der Fahrtwind endlich zur Geltung.


Auf der Fahrt zum Hotel sahen wir Hausboote, und so dann und wann fuhren wir auch mal an einer Wiese oder einem Baum vorbei - oder an dem, was davon noch übrig war.


Alle paar Kilometer erblickten wir Fischer, die in Einbäumen ihr Glück versuchten. Die Bootskante liegt immer etwa 10 Zentimeter über dem Wasserspiegel, sodass unser Bootsfahrer bei der Vorbeifahrt freundlicherweise die Geschwindigkeit drosselte.


Nach knappen zwei Stunden Fahrt legten wir an. Alle dachten, wir wären endlich beim Hotel angekommen, doch unser Plan für die fünf Tage war sehr eng gesteckt und sollte es auch bleiben. Also besuchten wir ein Dorf der Ureinwohner - es sei allen, den das Wort nicht gefällt, freigestellt, das Wort frei nach Wikipedia mit "Naturvolk", "Eingeborene" oder "Indios" zu übersetzen.


Diese Pflanze wächst am Amazonas und falten ihre Blätter bei Berühung zusammen. Schon lustig, was Mutter Natur sich so ausdenkt.


Der Mann macht aus Holz ein Produkt, das im getrockneten Zustand Papyrus ähnelt und zum Schreiben, Bemalen oder sogar für Kleidung genutzt werden kann. Die Kinder beobachten ihn zwar gerade, aber eigentlich waren wir "monos" für sie viel interessanter anzusehen als so ein blöder Baum.


So sah dann das Endprodukt aus, das wir anschließend bemalten. Danach sahen wir eine Vorführung der Ureinwohner in Schamanenart - die Maske ist übrigens aus dem Holz.


Selbstverständlich hatten wir dann die Gelegenheit, "artesanía" (Kunsthandwerk) zu erwerben. Danach ging es endlich zum Restaurant, wobei wir von einem heftigen Regenschauer überrascht wurde. Kein Problem, das ganze Geäck ist ja schon in den Hütten in Puerto Nariño. Das ganze Gepäck? Nein, drei Gepäckstücke hatten ja  in Leticia nicht mehr ins Gepäckboot gepasst - und wurden aufs Dach gelegt. Ihr könnt euch sicherlich denken, wessen dabei war ...


... aber da Kleidung im Regenwald sowieso innerhalb von 5 Minuten von der Schwüle durchfeuchtet wird, konnte ich mit der erhöhten Feuchtigkeit meiner Klamotten leben. Nach einer kleinen Diskussion, weil Leute mit Flip-Flops auf die Nachtwanderung durch den Regenwald bestanden, was ich nach meinen Erfahrungen nicht gutheißen konnte, fuhren wir also noch fünf Minuten mit dem Boot vom Restaurant zu den Hütten und legten uns todmüde in die Feldbetten unter die Mückennetze.

Tag 2 - Mittwoch, 2. Dezember

Am nächsten Morgen marschierten wir erst einmal eine halbe Stunde zum Restaurant - mittlerweile waren auch die Kollegen von der Flip-Flop-Fraktion glücklich, auf die Nachtwanderung verzichtet zu haben - und besichtigten Puerto Nariño.


Auch mitten im Urwald müssen die Leute selbstverständlich weder auf Satellitenfernsehen noch auf Handys verzichten! Ich gebe zu, ich musste schmunzeln, als mir eine Freundin mitten auf dem Amazonas per Bluetooth ein Lied an mein Handy - passenderweise "Probier's mal mit Gemütlichkeit" aus dem Dschungelbuch - schickte.


Die christlichen Missionare haben ganze Arbeit geleistet.



Nach dem Frühstück begegneten wir dem Dorfpapagei, der von den Bürgern gerne mit frischem Obst - gibt es ja in Hülle und Fülle - gefüttert wird.


Anschließend fuhren wir zum "Parque Nacional Amacayacu" (Nationalpark "Hängemattenfluss" - Amacayacu ist aus der Indio-Sprache Quechua), der mit 293.500 Hektar eine Größe hat, die zwischen Luxemburg und Mallorca liegt.


Ob man dieses Schild - Eintrittspreis für Ausländer 31.000 Pesos, etwa 10 Euro / für Kolumbianer 12.000 Pesos, etwa 4 Euro - nun lustig, intelligent oder dreist findet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich tendiere zwischen der zweiten und dritten Antwort.


Bei einem kurzen Blick ins Besucherzentrum und der dazugehörigen Einführung ins kolumbianische Nationalparksystem, bei der einige Mitglieder unserer Gruppe sanft einschlummerten, wurden uns auch diese Kaiman-Schädel gezeigt.


Kurz darauf waren alle wieder wach, denn für eine Hälfte ging es zur Affeninsel, und für die andere Hälfte - inklusive meiner Wenigkeit - ging es in den Wald.


Hier sieht man noch einmal die Größe dieser Bäume!


Manche Bäume haben seltsame Wurzelpilze, die diese rote Farbe verursachen ...


... andere enthalten Kautschuk.


Kautschuk wird heutzutage immer noch benutzt, zum Beispiel für Radiergummis oder wenn synthetisches Gummi aus Rohöl nicht stark genug ist, so zum Beispiel an den Seitenflächen von Reifen. Aber es ist heutzutage sehr viel weniger wichtig, als es einmal war - schließlich ist George W. Bush ja auch in den Irak einmarschiert und nicht nach Kolumbien zu den Kautschukbäumen.


In den Bäumen leben Affen, die man manchmal zu Gesicht bekommt.

Wir kletterten anschließend mit Seilrollen auf mehr als 50 Meter hoch - auf Höhe der Baumwipfel, mit einem atemberaubenden Ausblick über den Amazonas!


Bei der Wanderung über die Hängebrücke auf dieser Höhe wurde mir dann doch ein bisschen mulmig und ich musste mich an eine Fußgängerbrücke hier in Cali erinnern, die nachmittags im Wind auch immer schwingt. Da haben die Ingenieure wohl die Eigenfrequenz außer acht gelassen...
Wir seilten uns wieder von der Plattform ab und kamen wohlbehalten auf dem matschigen Terrain an. Vorbei an Stachelbäumen ...


... gingen wir zurück zum Besucherzentrum, von wo aus wir uns wenig später zur Affeninsel und die andere Gruppe in den Wald aufmachten.


Das Boot fuhr uns vorbei an wunderschönen, satt grünen Landschaften zur Insel, wo als Haustiere gehaltene und von ihren Haltern verstoßene Affen betreut werden. Die Tierpfleger versuchen quasi wie in einer Affenpsychiatrie, die Affen zu resozialisieren, die Traumata vergessen zu machen und an ein Leben in der Wildnis zu gewöhnen.


Schon am Anlegesteg wurden wir von einem Affen begrüßt, der uns wie ein Fremdenführer die ganze Zeit vorauslief und den Weg zeigte - wir hatten natürlich trotzdem einen Führer dabei, bevor einer fragt.


Knuffig, oder?


Durch den dichten Wald ...


... ging es mit unserem Touristenführer-Affen zu einem Platz, wo sich viele seiner Art aufhalten.


Diese Affen benutzen ihren Schwanz quasi als fünften Arm, daher haben sie am Ende auch für besseren Halt eine Haut aus Leder auf der Innenseite. Und scheu sind sie ganz sicher nicht!


Wenig später war dann richtig was los, nachdem jemand nicht aufgepasst hat und sich eine Packung Taschentücher hat klauen lassen.

Die Affen rasen durch den Wald,
Der eine macht den andern kalt,
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuss?
Wo ist die Kokosnuss?
Wer hat die Kokosnuss geklaut?


Nachdem sich die Situation wieder beruhigt hatte, waren die Affen so zutraulich wie zuvor und einer namens Pacho kletterte sogar auf meinem Kopf herum, wie ihr schon im letzten Eintrag gesehen hattet.


Doch es wurde schon dunkel, sodass wir wenig später zurück mussten und noch einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben konnten, bevor wir zurück zum Hotel kamen und in unseren wohlverdienten Schlaf fielen.


Am nächsten Samstag gibt es die Fortsetzung - mit noch mehr Papageien, noch mehr Affen, noch mehr Wald!

Euer Lars

Kommentare:

  1. Ha, hab ich es doch geschafft, dich zu animieren uns einmal wieder an deinen Ferien teilhaben zu lassen. :) Schön, dass es dir so gut geht und du so viel Spaß hast.

    Liebe Grüße,

    Jana

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  2. Jeden Tag habe ich geschaut, ob es schon etwas Neues aus Kolumbien gibt. Nun endlich!
    Wow, das sind ja tolle Erlebnisse und wie immer,"als ob ich selbst dabeigewesen bin". Was du mit deiner kleinen Kamera alles einfangen kannst ist schon toll. Wir freuen uns alle auf eine Fortsetzung.
    Gruß LiCo

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  3. Schön, wieder etwas von dir zu lesen!
    Ich hoffe du bist gut in 2010 gestartet,
    viel Spaß weiterhin,

    Anton

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